Willkommen beim Sorgenschmetterling.

Ich möchte darauf hinweisen, dass der Schmetterling nicht als heulen oder ständiges jammern interpretiert werden soll. Hiermit möchte ich Betroffenen zeigen, ihr seid nicht alleine mit euren Ängsten. Aber auch gesunden näher bringen mit welchen Gedanken wir jeden Tag kämpfen müssen. Wir haben zwar Sorgen wie jeder Mensch, doch auch welche die eben nicht jeder hat. Je nach Krankheit sind sie natürlich verschieden ausgeprägt, doch ich hoffe hiermit einen weiteren Schritt in Richtung Verständnis zu machen.

Viel Spaß beim Lesen der Texte.

 

1. Freunde

2. Familie

3. Ärzte

4. Medikamente

 

1. Freunde

Eine Freundschaft ist nichts was man zig mal missbrauchen und wieder aufbauen kann. Genau wie jede andere Beziehung besteht sie von Grund auf aus Vertrauen. Dies sollte man hüten, wie einen Schatz. Denn was einmal weg ist kann nur schwer bis gar nicht wieder erlangt werden. Jeder sollte sich über diese Worte Gedanken machen und schätzen was er hat, bevor es weg ist. Besonders bei einer Erkrankung die an sich schon Stress genug ist, kann man es sich nicht leisten Freunde zu behalten die einen dauernd im Stich lassen. So kommt es, dass es schnell sehr wenige werden. Denn fast niemand möchte sich die Mühe machen und um einen kranken Freund oder Freundin kümmern. Der Betroffene erst wieder interessant, wenn es körperlich besser geht. Mit der Zeit lernt man automatisch einen Strich zwischen Bekannten und Freunden zu machen. Bekannte sind gut genug um mal zu reden, etwas die Zeit zu vertreiben oder Party zu machen. Doch Freunde sind für das Leben. Mit allen Höhen und Tiefen. Leute die einen im Krankenhaus besuchen um abzulenken oder während einer depressiven Phase einfach aus dem Haus zerren und sich den negativen Launen freiwillig aussetzen. Nur damit es einem wieder etwas besser geht. Warum tausend falsche Freunde haben, wenn es auch ein guter sein kann? Das ist mein Motto. Und auch wenn es schwer ist immer wieder verletzt zu werden, so schöner ist es mal jemanden zu finden der ehrlich zu einem steht.

 

2. Familie

Viele verstehen unter Familie Zusammenhalt, Liebe und alles für einander tun. So sollte es sein. Wenn jemand krank ist, wird dieser gepflegt. Keiner stellt sich über den anderen und alle hören sich gegenseitig zu. Wer dies hat, kann sich glücklich schätzen. Denn so etwas ist eines der wichtigsten Dinge die das Leben zu bieten hat. Ziemlich jeder denkt, er hätte diese Art von Familie. Diesen Zusammenhalt, den man sich meistens eher erträumt, als dass es Realität wäre. Doch sobald man eine schwere Diagnose erhält und wirklicher Pflege und Hilfe bedarf, kommt zum Vorschein ob es ein Trugbild oder Fakt ist. Leider erleben die meisten, dass die Familie sich abwendet. Ein herber Rückschlag in Zeiten der ständigen Krankenhausbesuche, neuen Medikamente, vielen Erkenntnissen und Versuch der Bewältigung. Statt zu fragen wie es einem geht, wird vorgeworfen dass man immer noch krank ist. Sich Faul in der Ecke suhlt, statt der Familie zu helfen. Dabei ist es umgekehrt. Doch es ist einfacher die Schuld anderen zuzuweisen, als sich einzugestehen jemand schwer kranken im Stich zu lassen. Und so wird auf dem Erkrankten, den man eigentlich lieben sollte, ständig rumgehackt. Das Leben schwerer gemacht und starke Depressionen hervor gerufen. Anstatt zu erkennen, dass es ihm viel besser geht wenn man beistand und Verständnis gibt. 

 

3. Ärzte

Götter in Weiß nennt man sie. Doch schnell stellt sich heraus das Götter nur im Glauben existieren. Man rennt gutgläubig in eine Falle nach der nächsten und wird falsch behandelt, nicht richtig diagnostiziert oder gar belächelt und weggeschickt. So oft sitzt man zuhause und sucht den Fehler bei sich, zweifelt an dem was man fühlt. Wir werden dazu gebracht jedem Mediziner mit misstrauen zu begegnen, alles zu hinterfragen und das was wir nicht kennen abzulehnen. Nur schwer kann er unser Vertrauen gewinnen, doch den meisten ist es egal. Denn Geld regiert die Welt und oft fragt man sich warum eine Person diesen Weg gewählt hat. Wofür ein jahrelanges Studium nur um den Patienten nicht zuzuhören, sich nicht mit dem einzelnen Fall beschäftigen und noch dazu in vollem Bewusstsein nicht Bescheid zu wissen eine Behandlung anzuschlagen. Doch wenn wir dann wenigstens einen der wenigen finden die sich wirklich bemühen und helfen wollen, dann lassen wir nicht mehr los. Fiebern mit wenn es ihm nicht gut geht, sprechen so oft es nur geht unseren Dank aus und haben eine Hoffnung an die wir uns immer weiter klammern. Die Hoffnung nicht alleine zu sein in der großen und komplizierten Welt der Medizin. 

 

4. Medikamente

Meine Medizin, zum einen Lebensretter und gleichzeitig Gift. Jede Tablette hat eine andere Farbe und der eine Beipackzettel ist länger als der andere. Die häufigen Nebenwirkungen werden erst gar nicht mehr aufgeschrieben, es fängt einfach bei den seltenen an. Ein Grund mehr es nicht durchzulesen, mein Körper entscheidet wo ich ihn aufhalten muss. "Deine Tabletten machen dich nur krank.", wie oft habe ich das schon gehört und ich kann es nicht bestreiten. Ja, das tun sie. Doch ohne Tabletten wäre ich wahrscheinlich nicht mehr da und wenn wäre es nicht mehr lebenswert. Aber wie soll ich Menschen die es nie erlebt haben beibringen warum ich das "Teufelszeug" immer weiter nehme? 'Was wäre wenn ich es einfach lassen würde? Vielleicht ist mittlerweile wieder alles gut?', der kleine Hoffnungsschimmer der immer wieder durch kommt, doch durch die Vernunft besiegt wird. Egal was ich sage, niemand versteht wie ich mich bei den Sprüchen über meine Medikamente fühle. Reicht es nicht das ich jedes mal beim einnehmen daran erinnert werde was los ist? Man könnte mich einfach normal behandeln, nicht starren bis ich sie runter geschluckt habe. Vor allem nicht mit diesem mitleidigen Blick den ich sowieso nicht gebrauchen kann. Doch irgendwann wenden sich die Augen wieder von mir ab und reden normale Themen in denen ich versinken kann. Während denen ich vergessen kann was das was ich gerade eingeworfen habe alles auslösen kann.