Medikamente

 

1. Einleitung

2. Basistherapie

a) Antimalariamittel (z.B.: Resochin, Quensil)

b) Immunsuppressiva (z.B.: Azathioprin , Cellcept)

3. Benlysta (Belimumbab)

4. Kortison/Kortisol

 

Was wir wissen sollten

 

1.Einleitung

 

Bei dem systemetischen Lupus erythematodes werden hauptsächlich vier Medikamentengruppen eingesetzt:

 

Als Schmerz- und Entzündungshemmer:

- kortisonfreie entzündungshemmende Medikamente (NSAR=Nichtsteroidales Antirheumatikum)

Zum Beispiel: Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen

 

Diese Mittel haben einen raschen Wirkungseintritt von ½ bis 2 Stunden und wirken Schmerz- und entzündungshemmend, indem sie die Bildung von Schmerz-Botenstoffen hemmen. Allerdings haben sie auch eine kurze Wirkungsdauer von wenigen Stunden bis hin zu zwei Tagen. Solange die Höchstdosis nicht überschritten wird, kann der Patient die Dosierung selbst bestimmen. Sie haben keinen Einfluss auf den längerfristigen Krankheitsverlauf.

Mögliche Nebenwirkungen: Magen- und Darmprobleme (Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Geschwüre, etc. …), Herz-Gefäßleiden (höheres Herzinfaktrisiko), Leberschäden, …

 

 

2. Basistherapie

- Kortison

Kortison ist ein körpereigenes Hormon. Es wird in der Nebennierenrinde gebildet und wirkt stark entzündungshemmend. (Mehr dazu unter Punkt 3 "Kortison/Kortisol")

 

a) Antimalariamittel

Zum Beispiel: Resochin, Quensil

 

Dies wird bei Lupus mit schwachem Verlauf von den Ärzten gerne eingesetzt, da es das geringste Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen aufweist. Es wurde auch erwiesen, dass es das Herzinfakt- und Schlaganfallrisiko auf Dauer reduziert. Deshalb wird es gerne zu Immunsuppressiva zusätzlich gegeben. Durch eine längerfristige Behandlung mit diesen Mitteln können viele Patienten auf Dauer die Kortisonmenge deutlich reduzieren und Schübe verringert werden. Es dauert allerdings 3 bis 6 Monate bis es optimal wirkt, diese Zeit muss mit Kortison oder NSAR Medikamenten überbrückt werden.

Man sollte unter Antimalariamitteln regelmäßig zur Augenkontrolle, um eventuell bleibende Schäden zu verhindern.

Mögliche Nebenwirkungen: Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Juckreiz, Hautausschlag, Sehstörungen, Netzhautveränderungen, …

 

b) Immunsuppressiva

Zum Beispiel: Azathioprin , Cyclospospamid (Endoxan), Cyclosporin

Auch durch Immunsuppressiva kann der Bedarf an Kortison gesenkt werden. Diese Medikamente kommen aus der Krebstherapie, werden allerdings bei SLE niedriger dosiert eingesetzt. Es sorgt dafür, dass das „hyperaktive“ Immunsystem unterdrückt wird. Dies führt dazu, dass die Krankheitsaktivität gesenkt wird. Die Wirkung setzt nach 2 bis 6 Monaten ein. Um Schäden zu verhindern, die durch das Medikament entstehen können, sollte man regelmäßig zu Kontrollen gehen.

Mögliche Nebenwirkungen: erhöhte Infektionsanfälligkeit, allergische Reaktionen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Leber- oder Nierenschäden, …

 

Im Sommer 2011 kam das erste speziell für Lupus zugelassene Medikament Benlysta auf den Markt. Es wird als Zusatztherapie neben den Basismedikamenten als regelmäßige Infusion verabreicht. Es ist ein Biologica und zählt zu dem Immunsuppressiva.

 

3. Benlysta (Belimumbab)

 

Benlysta ist ein speziell für LE (Lupus erythematodes) zugelassenes Medikament und gehört zu den Biologica. Es wird in Form einer intravenösen Infusion unter Aufsicht von medizinischem Fachpersonal über mehrere Stunden hinweg verabreicht. Eingesetzt wird es im Normalfall bei Patienten, die trotz Standardtherapie eine hohe Krankheitsaktivität aufweisen. Es wird parallel zur Basismedikation in einem gewissen Abstand verabreicht.

Benlysta hemmt die Funktion der Lymphozyten, indem es die Wirkung der BLyS blockiert. (BLyS ist ein Protein das den B-Lymphozyten hilft länger zu leben.) Somit werden die B-Zellen im Blut verringert. Die B-Zellen sind in der Lage Antikörper zu erschaffen, diese sind im Normalfall in der Lage körperfremde Strukturen zu erkennen und zu bekämpfen.

 

Benlysta wird nicht empfohlen bei:

  • schwerem aktivem Lupus des Zentralnervensystems
  • schwerer aktiver Lupusnephritis
  • HIV
  • früherer oder aktueller Hepatitis B und C.

 

Folgende Nebenwirkungen sind möglich:

  • Infektionen und parasitäre Erkrankungen
  • Leukopenie (verminderte Anzahl von Leukozyten im Blut)
  • Depressionen, Schlaflosigkeit
  • Migräne
  • Diarrhö, Übelkeit
  • Hautausschlag
  • Gliederschmerzen
  • Fieber

 

Meine Erfahrungen mit Benlysta bis jetzt:

 

Ich bekomme monatlich eine Benlystainfusion. Zusammen mit Fenistil, 100 mg Kortison und einer Tablette Paracetamol wird es mir über ungefähr 4 bis 5 Stunden im Liegen verabreicht. Die Infusion verschlafe ich komplett. Am 19. März 2015 bekomme ich die 5. Infusion. Zurzeit ist dies meine einzige Basismedikation, da ich weder Immunsupressiva noch Malariamedikamente vertragen habe. Bisher musste ich nach jeder Infusion über Nacht im Krankenhaus bleiben, da mein Kreislauf nicht stabil war. Die Nebenwirkungen verbesserten sich nachdem die beigegebene Fenistildosis reduziert wurde.

Nach meiner vierten Infusion konnte ich das erste Mal mit Hilfe der Infusionsschwester zum Krankentransport laufen. Davor musste ich entweder im Rollstuhl oder mit einer Trage ins Krankenhaus transportiert werden. Nach den ersten drei Infusionen schlief ich jedes Mal ungefähr eine Woche. Nun sind wir an den Feineinstellungen des Fenistils. Wenn mein Kreislauf bald mitspielt kann bald in der näher liegenden Infusionspraxis meine monatliche Dosis bekommen und ohne nächtlichen Krankenhausaufenthalt sofort wieder nach Hause gehen.

Leider spüre ich bis auf die Müdigkeit, die sich reduziert habe, noch nichts von der Wirkung. Mir wurde allerdings gesagt dass das Medikament erst nach 6 Monaten anschlägt.

(13.03.2015)

 

Noch ein kleiner Abschlusstext zu meiner Erfahrung mit Benlysta. Am Ende musste ich doch dieses Medikament absetzen, da es nicht genug Wirkung gezeigt hat und meine Leukozyten zu niedrig wurden. Ich muss sagen, dass es mich sehr unter Stress gesetzt hat jeden Monat diese Infusion zu bekommen. Es war schwierig alle Termine darum herum zu planen. Zudem brauchte ich an demselben Tag erst einmal Ruhe  und schlief durch. Da fällt es leichter nebenher schnell mal ein paar Tabletten zu nehmen und weiter machen zu können. Allerdings hat es auch positive Effekte gegeben. Meine Müdigkeit wurde weniger und die Gelenkschmerzen besser. 

(28.12.2015)

 

 

Zusatz zu Benlysta:

 

Man kann Benlysta und Kortison nicht vergleichen, da diese zwei Medikamente komplett unterschiedliche Wirkungsziele haben. Kortison ist ein entzündungshemmendes Medikament und greift nicht in die Lupusaktivität ein. Benlysta ist eine Zusatzmedikation, die unterstützend zu dem Grundmedikament gegeben wird, damit die Krankheitsaktivität gehemmt wird. Da es als Nebenmedikament gedacht ist, muss man in den meisten Fällen eine Basismedikation dazu erhalten. Es ist nicht dafür gedacht diese abzusetzen. Man kann nicht sagen, dass es einem ermöglicht kein Kortison mehr einnehmen zu müssen. Wie Quensil, Azathioprin oder andere Medikamente kann es, sofern es wirkt, dazu beitragen, dass das Kortison reduziert wird.

Ich hatte am Anfang sehr starke Nebenwirkungen, wegen diesen ich über Nacht in Beobachtung bleiben musste.

Man kann nicht sagen, ob es weniger Nebenwirkungen hat als Quensil, Azathioprin, etc., da es noch nicht sehr lange auf dem Markt ist. Auch weiß man nichts über die Langzeitfolgen und kann somit nicht im Voraus darauf achten und eingehen, was passieren könnte. Benlysta ist nicht harmloser als die anderen Medikamente, es greift in das Blutbild ein und verändert es großflächig.

(05.06.2015)

 

 

4. Kortison/Kortisol

 

Kortison wird eingesetzt, um das in der Nebennierenrinde produzierte Kortisol zu erhöhen.

Kortisol wird bei Stress ausgeschüttet und ist dafür zuständig im Körper gespeicherte Energiereserven zu mobilisieren. Um dies zu erreichen, steigert es beispielsweise den Blutzuckerspiegel und regt die Fettfreisetzung an.

Zudem hat es die Eigenschaft die Aktivität der weißen Blutkörperchen zu hemmen und somit Entzündungen zu unterbinden oder abzuschwächen. Aufgrund dieser Eigenschaft ist es ein wichtiges Mittel in der Medizin. Bei einer Kortisontherapie sollte man auf eine salz- und fettarme sowie ausgewogene Ernährung achten.

 

Man kann zwei Arten von Kortisontherapie unterscheiden:

-> Kortison-Stoßtherapie: So wird eine hochdosierte und kurzfristige Behandlung bezeichnet. Diese erfolgt über Kortison-Infusionen und verläuft über 3 bis 5 Tage, anschließend wird die Dosis schnell reduziert.

-> langfristige Kortison-Therapie: Hierbei nimmt man über einen längeren Zeitraum jeden Tag die gleiche Dosis ein. Da der Körper von Natur aus morgens selbst Kortisol produziert, sollte der natürliche Rhythmus nicht durch Tabletteneinnahmen durcheinander gebracht werden.

Deshalb wird empfohlen sie morgens zwischen 6 und 8 Uhr einzunehmen. Um eine bessere Wirkung zu erzielen, kann man eine höhere Dosis auf zwei Einnahmezeiten pro Tag aufteilen.

Morgens die höhere, abends zwischen 18 und 19 Uhr die niedrigere.

Beispiel bei 20 mg: morgens 15 mg / abends 5 mg

So sackt der Kortisonspiegel des Körpers nachts nicht schlagartig ab. 

Nach einer längerfristigen Einnahme sollte man es auf keinen Fall schlagartig absetzen, sondern ausschleichen lassen. Ziel ist es eine stabile Dosierung zwischen 2,5 mg und 7 mg pro Tag zu erreichen.

 

Folgende Nebenwirkungen sind möglich:

  • Gewichtserhöhung (unter anderem durch fehlendes Sättigungsgefühl, Fressattacken oder Wasserinlagerungen)
  • höhere Infektanfälligkeit
  • hoher Blutdruck
  • Wassereinlagerungen
  • Osteoporose
  • Hautprobleme
  • erhöhter Blutdruck
  • Blutzuckerentgleisung
  • erhöhte Blutfettwerte
  • „Cushing-Syndrom“ (Vollmondgesicht, Stiernacken, Gesichtsrötung, brüchige Hautgefäße)
  • Hierbei vermehrt sich das Fettgewebe am Rumpf, Nacken und Gesicht. Dabei dünnen Arme und Beine durch schwindende Muskulatur aus.